Faszinierendes musikalisches Wetterleuchten

Ein Gastbeitrag von Volkmar Heuer-Strathmann

Gen Verde bietet wahre Entfesselungskünste

STADTHAGEN. „Die Erde hat keine Grenzen“, singen sie, als flögen sie durchs All nach Haus. Imposante Bilder zeigen im Hintergrund, wie faszinierend der Anblick der Erde sein kann. Die 18 Künstlerinnen der italienischen Band Gen Verde, die aus 14 Nationen stammen, haben Grenzen überwunden – auch musikalisch, sogar pädagogisch.

Die Veranstaltung in der gut besuchten St.-Martini-Kirche war Teil der von Lutz Gräber, ehemals Evangelisch-Lutherische Landeskirche, mitinitiierten Projektwoche. Am Adolfinum hatte man das Glück, gleich am ersten Tag mit den Workshops für Tanz, Percussion und Theater beginnen zu können. So ergab es sich, sehr zur Freude von Direktorin Cornelia Kastning, dass zahlreiche Adolfiner gemeinsam mit den Profis zeigen konnten, was an zwei Vormittagen erarbeitet wurde mit den Entfesselungskünstlerinnen.

Sie singen von Licht und Kraft, von Zuversicht, von Liebe und Freiheit, von Recht und Gerechtigkeit und lassen durchweg großes Gottvertrauen erkennen, in dem allerdings nicht alle Texte und Bilder des Abends bruchlos aufgehoben sind. Geflüchtete sind auf einem Schiff zu erkennen, der Tod eines kleinen Kindes wird mit anrührendem Gesang betrauert. Protest klingt an, ebenso quälende Gewissenbisse: „Wo war ich?“

Unter den vielen Schülern waren fünf junge Ukrainer, etwa Aliga Kravschenko, die erst seit ein paar Tagen am Adolfinum ist. Bei der Performance mit den Profis lösen sich die Hemmungen, von denen die Zöglinge berichten. Man agiert aus einem Kraftzentrum heraus.

Vor den musikalischen Darbietungen konnte Moderator Jan-Peter Hoth etwas Verskunst von Klaus Urban ankündigen. Mit seinen Wendungen im Konjunktiv legte dieser den Finger in offene Wunden: „Wenn die Welt gerecht wäre…“ Urban hatte am Vormittag Workshops angeboten, um Stadthäger Jugendliche an die subtile Kunst des Poetry Slam heranzuführen.

Bei Gen Verde singt man zumeist ohne Bittermandel auf der Zunge, außerdem in verschiedenen Sprachen. Nicole Buchers Übersetzung ging auf in der Show, auch das ein Kunststück. Selbst sie hatte bei Beginn der Projektarbeit am Montag noch nicht geahnt, dass diese Powerfrauen derart ansteckend sind mit ihrer Lebensfreude und ihrer Ausdruckskraft, ihrem unbändigen Ringen um Frieden und Gerechtigkeit in einem begeistert gefeierten Sommergewitter aus Lichtshow, eigenen Songs und Freudentanz.


Junge Adolfiner im Rampenlicht mit Künstlerinnen von Gen Verde.

 

Text und Foto: Volkmar Heuer-Strathmann