Beifall, Bravo-Rufe und Geschrei

Volkmar Heuer-Strathmann

Es ist erst ein paar Jahre her, da dachte man auch am Adolfinum, man könnte Publikumsentscheidungen genauer erfassen, wenn man zum Messgerät der Physik greift. So auch bei mehreren Talentshows. Eine führte zu massivem Unrecht, Lärm brach sich Bahn - ein ganz knapper Vorsprung. Den Sieger traf keine Schuld. Er war kein Brüller. Später entschuldigten sich die Unholde des Abends bei der Zweitplazierten.

Nun hat sich an den Projekttagen eine große Gruppe aus den Jahrgängen 5 und 6 des Themas Gerechtigkeit angenommen. Mit einer eigenen Talentshow sollte bewusster gemacht werden, wie fragwürdig die reine Akustik ist, was einen beim Votieren persönlich beeinflusst und wie man sich selbst wirksam in Szene setzen kann, wenn man auftritt. Vera Stapelberg unterstützte mich, einen der beiden armen Moderatoren von einst, bei diesem Projekt mit Tat und Rat.

Die Vergleichbarkeit war ein großes Thema: Klavierspiel gegen Fußballgeschicklichkeit, eingerahmt von Hexenversen. Zarte Flötentöne gegen das Weinen eines Jungen, der Brechts „Der hilflose Knabe“ gemeinsam mit einem anderen Jungen vorspielt. Geigen- und Klavierspiel zum Tanze im Wettbewerb mit dem einsamen Sound einer E-Gitarre. Die nette Idee, ab Platz vier allen Teilnehmenden eines Vorlesewettbewerbs diesen Rang zu bescheinigen, obwohl es in Wahrheit eine Verliererin gibt, war Thema eines Sketches.

Tim Hiddessen (Klasse 6.1) moderierte. Und am Ende, da gab es einen Gleichstand: Jonathan Heinrichsmeier aus der Klasse 6.3 an der E-Gitarre hatte der Schülerjury - in Zahlen gefasst - genauso gut gefallen wie John-Beat Ahrens und Simon Theiß (Klasse 5.5) mit ihrem Knabenstück. Das musste gleichermaßen belohnt werden. Aylin Ibadova aus der Musikklasse 5.1 lag nur ganz knapp dahinter. Also eine Eiskugel weniger?

Für mich ein eindrucksvoller endgültiger Abschied von der Schule. Danke!



Text und Foto: Volkmar Heuer-Strathmann