Als Austauschschüler mehrere Monate zu Gast in Costa Rica

Robert Böllert besucht zurzeit die Humboldt Schule in San José

Wenn in Deutschland vom „Land zwischen den Meeren“ die Rede ist, mag mancher an Schleswig-Holstein denken. In Zentralamerika darf Costa Rica als Land zwischen Pazifik und Karibischem Meer die reizvolle Bezeichnung in Anspruch nehmen. Robert Böllert vom Gymnasium Adolfinum verbringt zurzeit ein Auslandshalbjahr in der spanischsprachigen Präsidialrepublik.

Die Humboldt Schule in der Hauptstadt San José wird als Begegnungsschule geführt. Achtzig Prozent der Schüler sind Einheimische. Als Schulsprache gelten Deutsch und Spanisch gleich viel, am Ende kann statt des spanischen Bachillerato auch das deutsche Abitur abgelegt werden, das zum Besuch der hiesigen Hochschulen und Universitäten berechtigt. Am Adolfinum wäre Robert Böllert zurzeit Schüler des 10. Jahrganges, stünde also am Beginn der Gymnasialen Oberstufe. Die Anzahl der Schüler, die die Gelegenheit zu einem längeren Auslandsaufenthalt während der Schulzeit wahrnehmen, hier als Gegenbesuch, soll durch die Schulzeitverkürzung auf zwölf Jahre nicht eben angestiegen sein.

Nach dem Bild gefragt, das die Einheimischen von den Deutschen haben, antwortet Robert: „Immer pünktlich und in Hetze!“ Auf der Begegnungsschule mit deutschen Schülern und deutschen Lehrkräften ist das Bild natürlich differenzierter. Was strenge Sicherheitskontrollen bedeuten, erleben die Schüler schon bei Schulbeginn: Man kommt nur zu bestimmten Zeiten und nur mit Magnetkarte in die Schule. Robert weiß zu berichten, dass Haus und Besitz der Wohlhabenden gut gesichert sind, zum Teil sogar durch Sicherheitspersonal. Elektrozäune erinnern ihn an eine Pferdeweide: „Die Leute haben Angst, dass sie ausgeraubt werden könnten.“ Abends um 23 Uhr einfach noch rauszugehen, das sei nicht drin, und genau das vermisst Robert – neben Freunden und Familie „und Kleinigkeiten, die es hier nicht gibt“.

Land und  Leute haben dem Bückeburger sofort gefallen. Grün sei der Grundton der Natur, freundlich und offen die Haltung der Menschen. Zurzeit ist an manchen Tagen vermutlich nicht über 30 Grad Hitze zu klagen. Weite, fast weiße Strände laden zum Bade, üppig ausgestattete Bergwelten prägen den Horizont, Vulkane lassen die Kräfte ahnen, die sicher auch zwiespältige Gefühle wecken. Auch sprachlich, so schreibt er per mail nach Deutschland, komme er nach zwei Jahren Spanischunterricht am Adolfinum immer besser zurecht, schon durch das Sonderangebot „Integrationsunterricht“, vier Stunden die Woche.

Man merkt, dass Robert eigentlich noch einen höheren Wert nennen möchte, wenn er im fernschriftlichen Interview gefragt wird, ob er einen solchen Schüleraustausch weiterempfehlen würde: „Hundertprozentig!“ Obwohl das Musikinstrument des Bigbandbläsers umständehalber in Bückeburg geblieben ist. Also doch Heimweh, trotz Facebook und Skype? Eine schön offene Antwort: „Ich glaube, eher weniger…“

Volkmar Heuer-Strathmann; Öffentlichkeitsarbeit