Menschenkette und Schweigeminute am Adolfinum

Schule gedenkt der Opfer der Reichspogromnacht

Mit einer Menschenkette und einer Schweigeminute gedachte das Gymnasium Adolfinum der Reichspogromnacht vom 9. November 1938. Die Jüngsten der Jahrgänge 5 und 6 waren eigens aus der Außenstelle herübergekommen, um an der Gedenkveranstaltung teilzunehmen. Die Aktion ist Teil der von der SV getragenen Initiative, mit der die Schule zur „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ werden soll, um Diskriminierung jeder Art entgegenzuwirken.

Zur Vorbereitung stand sehr viel Material zur Verfügung: Schilderungen aus Obernkirchen, Bückeburg und Hannover über die Gewalttaten und Zerstörungen in jenen Novembertagen, biografische Hinweise auf Herschel Grynspan, den Attentäter von Paris, dessen Straftat den Vorwand bot für die Nazikampagne, und literarische Werke, die die Ereignisse thematisieren. Renate Fincks „Mit uns zieht die neue Zeit“ kann als Beispiel dienen für ein Bekenntnis zur eigenen Schuld und zur Verführung der Kinder und  Jugendlichen. Im Fach Politik-Wirtschaft konnte untersucht werden, welche Bedeutung die Reichspogromnacht für die folgende Arisierung jüdischen Besitzes hatte. All das Material macht deutlich: Der Holocaust hat giftige Wurzeln im November 1938, auch in Bückeburg, wo man erst am 10. November wie toll zur Sache ging.

Jonas Pfähler und andere SV-Vertreter kümmerten sich um den reibungslosen Aufbau der Kettenformation. Einige Schüler hatten noch Schwierigkeiten, dem Drang zu widerstehen, zur „La ola“ überzugehen. Doch als das Megaphon verstummte, herrschte für etwas mehr als eine Minute andächtige Stille. Man gedachte der Opfer und musste die Täter dabei nicht vergessen. Die Kette war lückenlos, zufrieden versanken auch die SV-Lehrkräfte Franziska Winther und Björn Riemer für kurze Zeit in Gedanken.

Nur wenige Schülerinnen und Schüler nahmen nicht an der Aktion teil und auch ein paar Lehrkräfte blieben im Hause. Jesse und Idir von der Schülerzeitung @ufbruch fragten nach Gründen. Die Aktion sei zu aktionistisch, die Informationen seien  nicht ausreichend gewesen, so ein paar ältere Schüler. Leonie und Natalie vom @ufbruch staunten, wie gut die Schüler informiert waren über den historischn Anlass der aktuellen Aktion. - Anspielungen in Pädagogenkreisen ließen vermuten, dass die Kritiker im Kollegium zunächst eine Aufarbeitung der „jüngsten grauen Jahre des Adolfinum“ wollen, ehe man sich selbst auf so gut gemeinte Wege des Antifaschismus begibt und hehre Worte dafür wählt.

Dass noch genug zu tun ist, auch am Adolfinum, mögen die geschmacklosen Worte eines Zehntklässlers belegen, der sich aus der Klette heraus einer NPD-Wahlkampfparole bediente und einem der Organisatoren zurief: „Gib Gas!“

Volkmar Heuer-Strathmann; Öffentlichkeitsarbeit