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Marine Peraud als französische Sprachassistentin am Gymnasium Adolfinum
„Die Schüler sind nicht so diszipliniert, aber auch nicht undiszipliniert!“
Marine Peraud weiß bestens Bescheid, wenn es um Schriftstellerinnen aus Deutschland geht, die man hier (fast) vergessen hat. Ruth Schaumann? Keine Ahnung, müsste man mal bei Wikipedia schauen. Demnach hat die Schriftstellerin vor Jahrzehnten den Mindener Ehrenpreis „Kogge“ erhalten. Und Gertrud von Le Fort? Die zum Katholizismus Konvertierte? Die ab 1933 „innerlich“ Emigrierte? Ihre Geburtsstadt soll ja die Nachbarstadt Minden gewesen sein. Marine Peraud studiert in Limoges, ihrem Geburtsort, Germanistik. In ihrer Masterarbeit beschäftigt sich die 22 Jahre junge Studentin zurzeit mit den besagten Autorinnen und deren Werken und Wirken und wird in Deutschland noch weiterforschen.
Nach Bückeburg ist die sympathische Französin gekommen, um als Sprachassistentin am Adolfinum Unterrichtserfahrung zu sammeln und ihre Sprachkompetenz in Deutsch weiterzuentwickeln. Land und Leute stehen natürlich auch auf dem Jahresplaner. Die Tatsache, dass an französischen Schulen in Geschichte „primär die negativen Seiten unserer Beziehungen behandelt werden, insbesondere die Kriege“, hat ihr Interesse am Nachbarland nicht verringert, eher gesteigert. Hamburg, Hannover und Hameln sind schon bereist, bald folgt Berlin. Die Bärenstadt wird sie hoffentlich nicht enttäuschen: „Berlin ist bestimmt viel schöner als Paris.“ Peraud kommt eben aus Zentralfrankreich und spielt nicht mit, wenn das Leben in der Metropole verherrlicht wird: „Die Pariser kennen nur Stress und sich selbst.“
Die Unterrichterei gefällt der Gastlehrerin. Schon nach wenigen Stunden sei allerdings deutlich geworden, dass an einer Schule wie dem Adolfinum andere Sitten herrschen als daheim, die Umgangsformen seien lockerer, das Verhältnis von Lehrkräften und Schülern entspannter. Anders als in Frankreich wirkten die meisten Schüler motiviert und nicht wenige inhaltlich echt interessiert. Kein Wunder, dass Marine Peraud mit dem Gedanken spielt, im zweiten Halbjahr eine kleine Theater-AG anzubieten oder einen Konversationskurs. Ein paar Passagen etwa aus Voltaires „Candide“ in Szene gesetzt, da wäre man schon wieder mit einem Bein in Minden.
Volkmar Heuer-Strathmann; Öffentlichkeitsarbeit