Kleine Fortbildung am großen Whiteboard

Von Kreide, Schwamm und  Tafeldienst keine Rede!

Die Tage, in denen Wölfe, die gerne Kreide fressen, besonders in Schulen ihren Hunger stillen können, scheinen gezählt. Mit der guten alten Wandtafel könnte auch die Kreide allmählich verschwinden aus  dem Schulalltag. Das Whiteboard macht‘s möglich, die elektronische Tafel, auf der mit dem elektronischen Stift gerechnet, gezeichnet und geschrieben wird. Im Vergleich mit diesem Medium wirken selbst die weißen Wandtafeln, die mit buntem Marker traktiert werden, schon leicht veraltet.

Zauberkräfte scheinen auch im Adolfinum zu wirken, ruckzuck, schon baut sich in den Räumen 105 und 201 sukzessive ein Tafelbild auf, das doch Tage zuvor schon im Unterricht entfaltet worden war – oder vor Wochen oder Monaten, falls man in ein paar Jahren in Schulräumen noch gemeinhin nach vorne schaut, also nicht nur auf den eigenen Arbeitsplatz mit Display und Miniaturmine und Netzanschluss. Fehlerhaftes, arg nachlässig Notiertes und völlig Abwegiges kann natürlich auch ganz schön lange aufbewahrt werden als schönes schlechtes Beispiel, etwa wenn eine Fachleiterin mit ihren Referendaren gerne mal besprechen möchte, was „echt gar nicht geht“, zum Glück seinerzeit sofort "weggewischt" wurde, aber fürs Fehlerlernen da später bei der kritischen Rückschau doch anschauungshalber wieder an der elektronischen Beweismitteltafel steht.    

Im Rahmen einer kleinen Lehrerfortbildung konnten nun (erneut) interessierte Lehrkräfte erproben, was das neue Medium leistet. Fachobmann Siegbert Reese gab eine kurze Einführung in die Zauberlehre, dann hieß es üben, anwenden, ausprobieren - gut gelaunt, wie man sieht. Es schien aber gar nicht so einfach, den Zauberstab ganz korrekt über die präparierte Tafelwand zu führen, auf Werkzeuge wie die Farbkiste oder zu den richtigen Strichstärken. Mathematiklehrkräfte waren übrigens deutlich in der Mehrheit, aber Fächer wie  Deutsch, DS  und Politik-Wirtschaft waren ebenfalls repräsentiert. Beispiele aus dem Aufgabenfeld B machten deutlich, dass keineswegs nur auf unbeschriebenen Blättern gearbeitet wird. Schnell baut sich eine Europakarte auf mit Euroraum als Einheitstraum, schon schwebt der Euroschein herein, wenig später hat man Griechenland mit leichter Hand – ob Schüler/in  oder Lehrer/in - einen dicken Strich durch die Rechnung gemacht.

Apropos Euro: ganz billig sind die Tafeln nicht. So bleibt er noch die Ausnahme, der legamasterbasierte, beamergestützte, computerbegleitete, Software wie „crapbook“ nutzende  Fachunterricht. Was aber wird langfristig wortschatzmäßig aus Anspielungen in Romanen wie dem Geheimtipp „Kreide trocknet die Haut aus“ und der Rederei von der leidigen „Kreidechemie“?

Volkmar Heuer-Strathmann, Öffentlichkeitsarbeit