Redaktionsleiter der Landeszeitung zu Gast in einem Lk Politik-Wirtschaft (Jahrgang 11)

Von journalistischer Arbeit in Zeiten von Fakenews, Hassmails und Political Correctness

"Fast abgestochen!", titelt ein Schüler. "Wie sicher ist es noch in der Innenstadt?", fragt eine Schülerin. Andere sprechen - zumindest im ersten Entwurf - nur von einem "besonderen Zwischenfall in der Fußgängerzone". Eine ältere Dame aus Heeßen, die mit ihren beiden Enkeln in der Fußgängerzone unterwegs war, soll von zwei fremden Personen zunächst angepöbelt und schließlich auch angegriffen worden sein.  

Raimund Cremers, der Redaktionsleiter der Schaumburg-Lippischen Landeszeitung, ist zu Gast in einem Lk Politik-Wirtschaft (Jahrgang 11). Er hat aus der Redaktion Rohmaterial zu dem Vorfall mitgebracht, auch  Polizeiinformationen. Die Kursteilnehmer schreiben auf dieser Grundlage ihren Text über die Ereignisse. Die Reaktionen bei Facebook gehören auch dazu. Die Textsorte ist nicht vorgegeben. Noten gibt es nicht, eine Zensur findet nicht statt.

Jedes Wort zählt. Selbst Wegegelassenes wirkt auf seine Art. "Wenn die Begriffe nicht stimmen, geht der Staat zu Grunde!", hat Konfuzius gewarnt. Also: eine ältere Dame, eine Oma, eine Großmutter, eine Seniorin, eine rüstige Rentnerin? Zwei Fremde, ein älterer Mann und  eine jüngere Frau, ein Pärchen? Dunkelhäutig oder sonnengebräunt? Was Augen- und Ohrenzeugen gesagt haben, ist natürlich von größter Bedeutung. Die Heeßerin spricht später von "einem couragierten jungen Mann und zwei Frauen".  Was im Netz folgt, liegt zwischen Phantasien entfesselter Selbstjustiz angesichts vermehrter Zuwanderung und Informationen  zur Frage ziviler Festnahme.

Am 24. Mai 2017 wird eine Sonderseite in der Landeszeitung zeigen, was aus dem "Fall" zu lernen ist - journalistisch, nicht strafrechtlich. Die Schülerseite ist Teil einer Serie über brennende Fragen journalistischer Arbeit in Zeiten, in denen leichtfertig von "Lügenpresse" die Rede ist.

Volkmar Heuer-Strathmann