Drogenbeauftragte der Bundesregierung zu Gast in der Region

Netztext und Pixelbild statt Fachvortrag im Adolfinum

In Niedersachsen ist Wahlkampf. In den vier Wochen vor der Kommunalwahl  gilt in den Schulen ein Auftrittsverbot für Politiker aller Parteien. Darum durfte Mechthild Dyckmans (FDP) nicht im Gymnasium Adolfinum referieren, was sie insbesondere Jugendlichen als Beauftragte der Bundesregierung in Sachen Drogen mitteilen möchte. Durch die Homepage, ganz abgesehen von der hiesigen Presse, können die Interessierten sich aber wenigstens über wesentliche Aspekte des Fachreferats informieren, das die FDP-Bundestagsabgeordnete am Vortag des geplanten Schulvortrags in Minden als Gast der Gesellschaft für Wehr- und Sicherheitspolitik hielt.

Dyckmanns beobachtet einen uneinheitlichen Trend: Der Alkoholkonsum von Kindern und Jugendlichen gehe insgesamt zurück, die Extreme nähmen aber  zu. Exzesse wie „Komasaufen“ ohne Punkt und Komma ist demnach immer noch „in“, in Fahrt kommen nicht wenige am ehesten durch „Vorglühen“. Die Kontrollen beim Verkauf seien zwar verschärft worden, die Zulässigkeiten habe der Gesetzgeber verändert, so die Expertin etwa hinsichtlich Altersstufen und Konsumfreiheit, dies reiche jedoch noch lange nicht aus.  Dyckmans verschwieg nicht, dass Alkohol gerade in Kreisen mit mehr als durchschnittlicher Bildung ein zunehmendes Problem sei, Mädchen und Frauen sieht sie auch hier auf dem Vormarsch. Aspekte wie Anerkennung in Gruppen und Cliquen, Stress in Schule, Studium und Beruf und Banalisierung des Alkoholkonsums in vielen Bereichen der Gesellschaft wurden ebenfalls erwähnt.

Dyckmans Warnungen, die die Liberale nicht als Plädoyer für eine strikte und rigorose Verbotspolitik verstanden wissen will, galten auch dem Konsum von Cannabis und synthetischen Drogen wie „Badesalz“, dem Nikotingenuss, der suchtartigen Teilnahme am Glücksspiel und dem stundenlangen selbstvergessenen Erlebnisrausch durch Computerspiele  - sicherlich Diskussionsstoff genug für eine Veranstaltung in einer Schule wie dem Adolfinum. Da die SV-Lehrer Franziska Winther und Björn Riemer unter den Gästen weilten, kann  man hoffen, dass die Problematik auch am Adolfinum weiterverfolgt wird. Ihr Seminarfachkurs des 12. Jahrgangs befasst sich ganz konkret mit Fragen der Gesundheit, also auch mit den von Dyckmans angedeuteten Paradoxa, dass der Abhängige oft ein ausgewiesenes Freiheitsbedürfnis hat und eigentlich Wohlbehagen anstrebt, aber eben nur kurzfristig und ohne sich, ob man nun Kant kennt oder nicht, „seines eigenen Verstandes zu bedienen“. Die Beauftragte der Bundesregierung setzt auf Aufklärung. Sie weiß, wie schwierig es ist, den verlockenden Angeboten aus Traumwelten aller Art als Pädagogen etwas entgegenzusetzen, gerade unter den Bedingungen heutiger Schularbeit, ganz abgesehen von den Abwegen, auf die etwa auch ausgebrannte oder überforderte Lehrkräfte kommen können. Prävention sei heutzutage selbst für viele Firmen eine lohnende Investition – langfristig zumindest. 

Gastgeber Klaus Suchland von der GfW hatte den informativen Abend mit einem  Beispiel eingeleitet, das zunächst Heiterkeit weckte. Von seiner (am Adolfinum als Schauspieltalent bekannten) Enkelin habe er erstmals den Ausdruck „vorglühen“ gehört und gar nicht gewusst, was gemeint sei. Dyckmans nahm den Ball auf und scherzte über die leidige Dieselei und die richtige Betriebstemperatur beim Beginn einer Spritztour. Schaut man auf die hohe Zahl der Betroffenen und die jüngsten Statistiken der Krankenkassen, sieht man indessen wenig Heilungserfolg auf der Seite der auf ein Ende von Einsamkeit, Selbstbetrug, Stress und Verzweiflung Hoffenden. Vielleicht ist Aufklärung eben doch nicht genug, aber ohne Aufklärung alles nichtig … Wissensdurst und Bildungshunger meinen doch wohl mehr als Googletext und Abiboxen!

Volkmar Heuer-Strathmann; Öffentlichkeitsarbeit