Gerechte Klimaschutzpolitik – eine Frage der Balance

Ein Gastbeitrag von Volkmar Heuer-Strathmann

Bundesbankvorstand Burkhard Balz eröffnet die Vortragsreihe Schaumburger Schulen

BÜCKEBURG. „Wir sind nicht Gefangene unseres Schicksals.“ Mit diesen Worten des ehemaligen US-Präsidenten Barack Obama ließ Burkhard Balz seinen Vortrag in der Stadtkirche ausklingen. Der gebürtige Bückeburger war als Mitglied des Vorstandes der Bundesbank eingeladen worden, um im Rahmen der laufenden Projektwoche „Gerechtigkeit“ vor Gruppen des Adolfinums und der BBS Stadthagen über die finanzielle Herausforderung echter Klimagerechtigkeit zu referieren.

Für die anschließende Podiumsdiskussion hatte man Georg Krämer vom Welthaus Bielefeld und Joe Lüdemann vom Missionswerk Hermannsburg gewinnen können. Aus dem Adolfinum waren Luana Heumann und Chris Täubert beteiligt. Die Moderation lag in den Händen von Politiklehrer Björn Riemer und Pastor Jan-Peter Hoth.

Dass Balz zunächst näher umriss, wofür die Bundesbank zuständig ist, war für das weitere Verstandnis ganz wesentlich. Hier sprach kein Vertreter des Finanzministeriums, sondern des Hauses, das als Währungshüter auch den Geldwert im Auge hat, eine gewisse Bankenaufsicht wahrnimmt und Geldpolitik macht durch Mengenimpulse, dabei aber frei von Weisungen aus Berlin ist.

Balz begrüßt die großen wie die kleinen Maßnahmen zur Eindämmung des Klimawandels grundsätzlich, befürchtet aber, dass die derzeitige Inflationsrate nicht wenige Menschen davon abhalten könnte, klimapolitisch „richtig“ einzukaufen. Insofern sieht er in der Bemühung um Geldwertstabilität eine soziale und eine ökologische Dimension und einen Beitrag zur. Klimagerechtigkeit. Durch die Kosten der Pandemie und die Folgen des russischen Angriffskrieges auf die Ukraine sei eine sozialverträgliche Klimapolitik noch schwieriger geworden.

Dass der Kostenfaktor beim eigenen Konsum ganz wesentlich ist, betonten auch Luana Heumann und Chris Täubert. Joe Lüdemann insitierte darauf, bei aller Erschwernis dennoch über Blue Jeans und Wasserverbauch und Billigfleisch und Waldvernichtung nachzudenken. Er brachte die Hoffnung zum Ausdruck, dass die mit „Friday for Future“ einhergehende Bewegung in der Zivilgesellschaft nicht nachlässt und der Druck „auf die Politik“ eher noch zunimmt. Krämer verwies in diesem Zusammenhang auf die Notwendigkeit, bei den staatlichen Subventionen endlich klimapolitisch umzusteuern.

Vom Vertreter der Bundesbank gab es da keinen Widerspruch, allerdings insistierte er darauf, die bewährten Mechanismen der sozialen Marktwirtschaft aufrecht zu erhalten. Später räumte Balz gegenüber Heumann ein, die Fixierung auf das relativ günstige Gas aus Russland sei ein Fehler gewesen, auch auf Seiten der Politiker seiner Partei, der CDU. In diesem Zusammenhang warnte er vor einem „Anti-Globalismus“ als Reflex auf die entstandene Abhängigkeit. Lüdemann, der lange in Süfafrika gelebt und gearbeitet hat, lenkte die Aufmerksamkeit auf die Ernährungsungerechtigkeit, kurz: den Hunger und das Verhungern von Millionen. Gerechte Klimapolitik dürfe sie nicht außer Acht lassen.

Für Krämer gilt das neue Lieferkettengesetz aus dem Hause Habeck als wegweisend, da damit qualitative Standards an Bedeutung gewönnen. Hier gelte es, weitere Schritte zu tun und im Auge zu behalten, dass das Klimaproblem fundamentaler Art sei, also wesentlich weiter reiche als Gesundheitspolitik, Sanktionspolitik und Sicherheitspolitik.

Für sein Haus betonte Balz: „Wir achten darauf, dass Klimarisiken in Banken- und Unternehmensbilanzen besser als bisher berücksichtigt werden.“ Balz‘ Worte zur Generationengerechtigkeit ließen deutlich werden, dass man auf dem Podium nicht weit auseinander lag. Eine „faire Balance“ zu gestalten, lautet für Balz die Devise. Dabei müsse der Staat finanziell Spielraum behalten.

Als Christoph von Storch und George Smith „Imagine“ von John Lennon anstimmten, gewannen Utopien Kontur. Auch den musizierenden Adolfinern wurde viel Applaus gezollt. Balz, der die Versammelten zum Engagement für die verantwortungsvolle Gestaltung der Zukunft aufrief, ist sich mit Barack Obama sicher: „Was wir tun, kann die Geschichte in Richtung Gerechtigkeit biegen.“ Man merkte dem ehemaligen Schüler des Neuen Gymnasiums Stadthagen an, dass er sich mit der heutigen Schülergeneration sehr verbunden fühlt und eben deshalb keine falsche Gewissheit vermitteln mag, schon gar nicht in Geldangelegenheiten.

In Sorge, aber stets sachlich: Burkhard Balz

 

Auf dem Podium im Gespräch: Luana Heumann (von links), Burkhard Balz, Joe Lüdemann, Georg Krämer und Chris Täubert.

 
Text und Fotos: Volkmar Heuer-Strathmann
Bundesbankvorstand Burkhard Balz eröffnet die Vortragsreihe Schaumburger Schulen