Flucht und Migration als Projektthemen

Ein Gastbeitrag von Volkmar Heuer-Strathmann

FRONTEX-Mitarbeiter als Experten zu Gast

BÜCKEBURG. Geht es um Geflüchtete, die in einem Land der Europäischen Union Zuflucht suchen, bekommt das Wort von der Verteilungsgerechtigkeit eine spezifische Ausrichtung. Im Rahmen der Projektwoche zum Thema „Gerechtigkeit“ wurde die Problematik nur kurz einbezogen, als sich Experten und Schüler des Adolfinums in der Stadtkirche unter der Frage versammelten: „Flucht und Migration – was hat das mit uns zu tun?“

Unter den vielen Impulsen und Hinweisen, die die von Politiklehrer Björn Riemer und Landesbischof Karl-Hinrich Manzke geleitete Veranstaltung prägten, war sicherlich all das, was die Bundespolizisten Nils von Seggern und Marc Wresch zu berichten wussten, besonders eindrucksvoll. „Wir setzen konkret um, was die politisch Verantwortlichen beschließen“, hieß es. Die beiden Beamten haben Erfahrung bei FRONTEX, also an den Grenzen der EU. Impulsen des Mitleids dürfe man nicht nachgehen, betonte Wresch, etwa bei „nicht ganz sauberen Papieren“.

Die Position von Seggerns, stärker in den Herkunftsstaaten anzusetzen, um Flucht- und Migrationsursachen zu mindern oder zu mildern, fand Zustimmung bei Georg Krämer vom Welthaus Bielefeld. Wie er konnte auch Joe Lüdemamm von Evagelischen Missionswerk darauf hinweisen, dass man mit zahlreichen Projekten in dieser Richtung tätig sei. Rouven Harms, als Vertreter von Amnesty International aus Göttingen angereist, betonte, dass man die Flüchtlingshilfe in Deutschland und die länderbezogenen Aktionen nicht gegeneinander ausspielen sollte. Auch gebe es nicht wenige Staaten, in denen sei es unmöglich, derart zu wirken. Da gab es keinen Widerspruch.

Auf dem Podium war man sich einig, dass Migration und Flucht weiter in Deutschland und der EU bestimmende Themen bleiben werden. Dem Hinweis eines Adolfiners, dass Ungerechtigkeit festzustellen sei, wenn man die Situation von Geflüchteten aus Afghanistan und der Ukraine im Jahr 2022 vergleiche, wurde nicht widersprochen. Wieder war es Wresch, der klar darlegen konnte, wie sich die Fragen juristisch darstellen, wenn es um Kriegsflüchtlinge geht. Ein Antrag auf Asyl steht eben auf einem anderen Blatt als die Registrierung in der BRD als Staatsbürger der von Russland angegriffenen Ukraine.

Großes Lob zollten die fünf Experten dem Schaumburger Schulprojekt, seinen Initiatoren und der Schülerschaft. Wieder waren es Steve Smith und Christoph von Storch, die mit ihren Songs den Wertekanon noch etwas weiter fassten als das Wochenmotto und für ihr eindringliches „Hallelujah“ besonders viel Beifall erhielten.

Rouven Harms (von links), Nils von Seggern und Marc Wresch im Altarraum.

 

Text und Foto: Volkmar Heuer-Strathmann